[Rezension] Wu Huangji „Rückkehr nach Osten: Erwachen“

Eine Information vorab: Dieses Buch habe ich von der Autorin als Kindle-E-Book erhalten. Vielen Dank an dieser Stelle. Wie immer beeinflusst das nicht meine Meinung. Ich werde trotzdem Kritik äußern, wenn diese angebracht ist. In diesem Fall könnt ihr euch darauf verlassen. Denn ich habe Schreibbedarf.

Xiyuan ist eine Frau chinesischer Abstammung, die in Deutschland aufgewachsen ist und aktuell mit ihrem Partner dort lebt. Über ihre „wahre“ Herkunft ist zunächst nichts bekannt. Eines Tages, während die beiden nach interessanten Gegenständen Ausschau halten, findet Xiyuan ein Siegel, welches Besonderheiten aufweist. In einem ähnlichen Zeitraum finden die beiden eine alte Aufnahme, welche unter anderem unsere Protagonistin zeigt. Was natürlich nicht möglich sein kann. Das Foto ist alt. Xiyuan in der Blüte ihres Lebens. Es wird noch seltsamer. Im Laufe der Handlung begegnet sie nicht nur Menschen, die mehr über sie zu wissen scheinen als sie selbst, sie entdeckt auch, dass ihre Umgebung und ihr Herkunftsland mehr für sie bereithalten, als sie zunächst angenommen hat. Es beginnt eine Reise durch die chinesische Weltgeschichte.

Auf dieser lernt Xiyuan sicher viel über sich selbst und/oder Land und Leute, oder? Ich bin mir selbst jetzt, nachdem ich das Buch vor etwa einem Tag beendet und darüber nachgedacht habe, nicht sicher, was genau ihr die Reise gebracht hat. Sie hat neue Menschen, die vor allem viel über den Daoismus und Lebensweisheiten sprechen, kennengelernt. Manche davon haben sie sogar eine Weile begleitet. Aber abseits von „magischen“ Zwischenfällen ist kaum etwas passiert. Als hätte sie einfach eine Strichliste abgearbeitet.

Fangen wir mit ihrer Sehnsucht nach ihren chinesischen Wurzeln an. Anfangs habe ich ihr das noch abgenommen, dass es ihr darum geht. Aber nur wenig später hatte ich mehr das Gefühl, dass sie ihre Umgebung auf sich wirken lässt, sich nicht wirklich viel dabei denkt und weiter zieht. Generell wurde sie einfach von Ereignis zu Ereignis geschoben und fiel viel zu oft in Ohnmacht oder verschlief. Dass die Menschen, bei denen sie zu Besuch war, sie zu kennen scheinen, ging nicht nur ihr, sondern irgendwann auch mir ziemlich auf die Nerven. Vor allem, weil ich wie unsere Protagonistin keine Antwort auf die Frage erhalten habe, woher die erwähnten Menschen sie kennen. Geschweige denn, woher Xiyuan eigentlich stammt. Das geht immer so weiter und wiederholt sich, wie eine kaputte Schallplatte. Zwischendurch passieren „magische“ Dinge, die ich an einer Hand abzählen kann. Ich verstehe den Mystery-Fantasy-Teil bei der Beschreibung nicht. Von Mystery war nicht existent, der Fantasy Anteil war wie schon erwähnt sehr dünn gesät. Die Kindle-Ausgabe hat 431 Seiten, da muss doch noch mehr passiert sein, oder? Ja. Aber erst am Ende, zu dem wir noch kommen. Bis dahin war es sehr, sehr langweilig.

Bisher schlägt sich das Buch freundlich ausgedrückt sehr durchwachsen. Wie sieht es denn mit der Charakterentwicklung aus? Die war kaum vorhanden. Die Nebencharaktere haben sich, bis auf ein paar interessante Szenen, die später ziemlich egal gewesen sind, fast gar nicht weiter entwickelt. Und Xiyuan? Dass sie am Ende ein wenig schlauer war, steht außer Frage, dennoch wurde sie vom Wissen der chinesischen Mitmenschen nicht wirklich erleuchtet. Bzw hat sie aus den Gesprächen offenbar wenig mitgenommen. Deren Dialoge waren mühsam. Apropos Dialoge. Chinesische Höflichkeit hin oder her, ich habe noch nie Charaktere so steif und teilweise demotiviert miteinander interagieren sehen bzw davon gelesen. Mit ihrem Partner, als diese zu Beginn noch physisch miteinander interagiert haben, war es etwas besser. Aber kaum wurde dieser irgendwann zurückgelassen, weckte er kaum mehr das Interesse unserer Protagonistin. Natürlich könnte man als Grund anführen, dass Xiyuan viel zu abgelenkt von den neuen Eindrücken war. Ja, kann sein. Aber wir reden hier von ihrem Partner, der im Gegensatz zu ihren späten Mitstreitern keinen Stock im A… und zumindest etwas Gefühle zeigt.

Kommen wir zum Ende. Das war unbefriedigend. Gerade noch hat die Truppe, bestehend aus Menschen, die mir offen gestanden relativ egal waren, einen neuen Ort betreten und Schwupps war das Buch zu Ende. Keine Antworten auf die wichtigen Fragen. Nichts. Den einen Stern mehr gibts für die Grundidee, an welcher meiner Ansicht nach ziemlich vorbeigeschrieben wurde. Es hätte so spannend sein können. Die chinesische Geschichte und Mythologie bieten so viel Stoff für einen tatsächlich spannenden Mystery-Fantasy-Roman. Aber so. Puh. Nein, danke.

Bewertung: 2 von 5.

VerlagBooks on Demand
AutorinWu Huangji
Erscheinungsjahr2025
GenreMystery Fantasy/Mystik
Seiten431 (Kindle Ausgabe)
ISBN978-3695144112

Als gebürtige Chinesin lebe ich seit 2000 im Umland von München und war mehrere Jahre im Bereich der Wirtschaftsförderung in Deutschland tätig. Die Verbindung zwischen den beiden Kulturen begleitet mich seit vielen Jahren und prägt auch mein Schreiben. Seit etwa zwei Jahren widme ich mich intensiver der kreativen Arbeit und dem Schreiben. Mein Debütroman Rückkehr nach Osten vereint meine persönliche Geschichte mit meiner Faszination für chinesische Kultur, Symbolik und Mythologie. Durch das Erzählen möchte ich nicht nur eigene Ideen ausdrücken, sondern auch Leser:innen für die kulturelle Tiefe und Vielfalt Chinas sensibilisieren. Gemeinsam mit meinem deutschen Ehemann teile ich außerdem eine große Leidenschaft für Antiquitäten. Auf Reisen, Auktionen, Flohmärkten oder in kleinen Läden sind wir oft auf der Suche nach besonderen Stücken mit Geschichte, aus Europa ebenso wie aus Asien. Diese Liebe zur Vergangenheit und zu Dingen, die Geschichten erzählen, fließt auch in meine literarische Arbeit mit ein. Rückkehr nach Osten ist mein erster Roman und der Auftakt einer geplanten Reihe.
Quelle: Link


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