[Rezension] Ursula Poznanski „Stille blutet“

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Einleitung

Kennt ihr das auch? Ihr wurdet zufällig auf eine euch unbekannte Reihe von einer bekannten Autorin aufmerksam gemacht. Zuvor habt ihr recht gute Bücher dieser gelesen und wart entsprechend motiviert, das nächste Buch zu lesen. So erging es mir mit „Stille blutet“ und dessen Nachfolger. Wie so oft habe ich eine Reihe nicht bei Teil eins angefangen, sondern irgendwo dazwischen. Das ist in der Regel nicht so schlimm, da vergangene Ereignisse bei Bedarf erneut angesprochen werden. Daher fand ich bei „Böses Licht“ recht schnell in die Handlung hinein.

Dementsprechend dauerte es nicht lange, bis ich mir Teil eins zugelegt und voller Freude angefangen habe zu lesen. Ob das eine gute Idee war? Seid gespannt.


Grober Handlungsverlauf

Es sollte ein gewöhnlicher Arbeitstag sein. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit trägt Nachrichtensprecherin Nadine Just wie immer die aktuellen Geschehnisse vor. So weit, so ungewöhnlich. Dabei unterläuft ihr ein folgenschwerer Fehler. Ohne groß darüber nachzudenken, was sie vorliest, kündigt sie ihren Tod vor laufender Kamera an. Wenige Stunden später findet man ihre Leiche.

Selbstverständlich wird Nadines Justs Ex-Freund Tibor Glaser als Erstes verdächtigt. Denn die Trennung der beiden verlief alles andere als friedlich. Schon bald tauchen Beweise auf, welche klar und deutlich darauf hinweisen, dass er scheinbar kein toller Freund war. Es kommt noch schlimmer. Gewalt und Emotionslosigkeit scheinen bei ihm Hand in Hand gegangen zu sein.

Als dann ein Blogger namens Gunther Marzik tot aufgefunden wird und bei diesem Spuren von unserem Verdächtigen auftauchen, ist der Fall für die Mehrheit der Ermittler klar. Tibor Glaser hat mindestens zwei Morde begangen, die sich nachweisen lassen. Natürlich bestreitet der Gute beides. Würdet ihr ja auch wenn euch der Allerwerteste brennt? Eben.

Jedoch gibt es da eine Ermittlerin namens Fina Plank, die sich nicht mit den Ergebnissen zufriedengeben möchte, auch wenn alles auf eine Person hindeutet. Ja, es stimmt. Die Trennung war alles andere als friedlich. Böse Worte und Drohungen sind gefallen. Aber was hatte Glaser mit dem Blogger zu tun?

Hier fängt die mühsam errichtete Fassade langsam an zu bröckeln. Was ist wirklich passiert?


Mein Fazit

Nachdem der zweite Teil der Reihe „Böses Licht“ einen recht guten Eindruck auf mich gemacht hat, war ich neugierig, wie alles seinen Anfang genommen hat. Hat Tibor Glaser wirklich so eine harte Zeit hinter sich? Wie sah der offenbar erste große Fall von Fina Plank aus? War Oliver vorher schon ein „spezieller“ Kollege, mit dem sich unsere Ermittlerin abgeben muss?

Ich versuche die Fragen so spoilerfrei wie möglich zu beantworten.

Fangen wir mit dem Start der Handlung an. Wir sind Zeuge der letzten Minuten von Nadine Just. Vor und nach ihrem Auftritt bekommen wir einen ersten Eindruck über deren Persönlichkeit. Offenbar war sie ein schwieriger und meist eher unsympathischer Mensch, außerdem erfüllt sie perfekt das Klischee einer gekränkten Ex-Freundin. Ihr ehemaliger Partner Tibor Glaser wird bei jeder ihm bekannten Person angeschwärzt. Ein paar glauben ihr sogar. (So viel zum Thema Vertrauen). Dass nach ihrem Tod der Verdacht auf ihn fällt, ist doch klar. Selbst seine engsten Vertrauten und Arbeitskollegen sind nicht vollständig von seiner Unschuld überzeugt.

Hier haben wir schon das erste Problem. Es wird durchgehend so vehement versucht, ihn als Mörder hinzustellen, dass es irgendwann nicht mehr glaubhaft rüberkommt. Natürlich tauchen plötzlich Beweise auf. Passenderweise streitet er als „böser“ Ex-Freund alles ab. Zufälligerweise gibt es einen Ermittler, zu dem wir noch kommen, der sich wie ein Geier auf die offensichtlichen Beweise stürzt, anstatt, wie seine Kollegen und Fina Plank, mehrere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Zum Glück ist Fina Plank weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen und setzt sich gegen Oliver, so heißt der angesprochene Kollege, zur Wehr. Ich habe mich in der Rezension zu Teil zwei genug über ihn ausgelassen, daher versuche ich mich kurzzufassen. Jemand wie er hat in einem Team nichts verloren. Generell verstehe ich nicht, wie man so einen Charakter schreiben kann. Ja, ein Kontrast zu Fina ist keine blöde Idee. Aber ihr gleich einen unsympathischen, von sich überzeugten, und stichelnden Ermittler an die Seite zu stellen war wirklich nicht nötig. Er war einer der Gründe, warum mein Lesefluss immer wieder unterbrochen wurde. Blöd reden ist das eine, seine Kollegin durchgehend zu beleidigen oder verdeckt (manchmal auch offensichtlich) als dumm bezeichnen gehört sich nicht.

Das restliche Team ist relativ simpel gestrickt. Jedes Mitglied erfüllt seine Rolle, für die es geschrieben wurde. Der Fokus lag ganz klar auf Fina Plank, Tibor Glaser und einer seltsamen „Off-Stimme“, über die ich mich schon im zweiten Teil gewundert habe. Ich verstehe deren Existenzberechtigung immer noch nicht ganz. Außer der Tatsache, dass diese die Handlung unterbricht, um mit dem Finger auf das nächste Opfer zu zeigen, mit dem stillen Hinweis, dass diese bald stirbt. Inklusive Vorgang. Auch hier stellte ich mir die gleiche Frage wie bei Oliver. War das unbedingt nötig?

Nun zu Tibor Glaser. Dieser stand die ganze Zeit über im Fokus der Polizei. Nirgends war er mehr sicher. Auch das Internet belagerte ihn durchgehend. Seine Ex-Freundin hat vor ihrem Tod ganze Arbeit geleistet, ihm das Leben sowohl online als auch offline zu Hölle zu machen. Trotzdem hat er, mit gelegentlichen Ausfällen, versucht kühlen Kopf zu bewahren und selbst auf die Lösung des Falles zu kommen. Dummerweise war ihm der Täter immer einen Schritt voraus. Plötzlich tauchten „Beweisfotos“ auf, oder er wurde an Orten fotografiert, an denen er nicht sein sollte und damit die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zog. Er wurde wie Fina Plank detailliert und spannend beschrieben. Die beiden sind auch dafür verantwortlich, dass ich das Buch nicht komplett in den Wind schieße.

Für eine Empfehlung reicht es dennoch nicht. Die Autorin bediente sich, meiner Meinung nach, an viel zu vielen Klischees. Tibors Ex-Freundin als prominentestes Beispiel gefolgt von Oliver. Die Handlung selbst vegetierte entweder vor sich hin oder schlug plötzlich irgendeine Richtung ein, nur um kurz danach wieder in den alten Trott zurückzukehren.

Glücklicherweise gibt es „Böses Licht“. Welches zwar kein Überflieger war, aber diesen Teil hier um Längen schlägt.


Buchinformationen

VerlagDroemer Knaur
AutorinUrsula Poznanski
Erscheinungsjahr2022
GenreThriller
Seiten400
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Informationen zur Autorin

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren, wo sie mit ihrer Familie auch heute lebt. Die ehemalige Medizin-Journalistin ist eine der erfolgreichsten Autorinnen deutscher Sprache: Mit ihren Jugendbüchern steht sie Jahr für Jahr ganz oben auf den Bestsellerlisten, ihre Thriller für Erwachsene erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit. »Stille blutet« ist der Auftakt einer Thriller-Reihe, deren Bände unabhängig zu lesen, doch über eine ebenso schillernde wie zwielichtige Erzählerfigur verknüpft sind.

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