[Rezension] Simone Hausladen „Minestrone um Mitternacht“

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Einleitung

Kennt ihr das auch? Die sprachlosen Minuten nachdem ein Buch, welches euch emotional an eure Grenzen gebracht hat, beendet wurde. Worte für das Gelesene zu finden fällt euch schwer. Die Zeit, die ihr ihr mit den Hauptcharakteren verbracht, deren Höhen und Tiefen miterlebt habt. Entscheidungen, welche diese getätigt haben und der Sinn derer erst später erklärt wird.

Das Gefühlskarussell wird langsamer und langsamer. Nach und nach bilden sich verständliche Sätze in eurem Kopf die ihr sofort auf (digitales) Papier bannen möchtet. Jedes Zeichen, jedes Wort und jeder Satz sollen so viele Menschen wie möglich erreichen, in der Hoffnung, dass diese eine Buch die gleichen Emotionen auslöst wie bei euch.

Nach diesem für mich eher ungewöhnlichen Einstieg heiße ich euch herzlich willkommen zu meiner Rezension von „Minestrone um Mitternacht“. Wer mir auf Instagram folgt, hat mitbekommen, dass ich dieses optisch sehr ansprechende Buch, neben zwei weiteren Exemplaren, bei der langen Nacht in der Tyrolia gekauft habe.

Optisch und vom Klappentext gefiel es mir zu jenem Zeitpunkt wirklich gut. Mal etwas anderes. Es wirkte auf mich so als erwartete mich eine Handlung, welche man so noch nicht gelesen/gesehen hatte.

Dieser Eindruck täuschte mich nicht. Dieses Buch ist wirklich etwas Besonderes. Nein, wirklich. Das meine ich vollkommen ernst.

Nach den folgenden Absätzen wisst ihr genau, was ich meine. Viel Spaß beim Lesen.


Grober Handlungsverlauf

Ihr Leben ist eigentlich perfekt. Clara arbeitet als Köchin in einem italienischen Restaurant. Die Arbeit macht ihr, soweit ich das beurteilen kann, Spaß. Mit den Arbeitskollegen, inklusive Chef versteht sie sich super. Franklin ihr Partner könnte nicht perfekter sein. Er ist immer für sie da. Was Clara aufgrund ihres stressigen Jobs nicht schafft, erledigt die gute Seele im Nu.

Aber irgendwie fühlt sich unsere junge Köchin vom Alltagstrott ausgebremst. Sie hat das Gefühl als würde das Leben außerhalb ihres Heims auf sie warten. Die Frage ist, woher kommt dieser Gedanke plötzlich? Vorher schien alles perfekt zu sein. Sie hätte sogar die Möglichkeit den Betrieb in Zukunft zu übernehmen.

Liegt es an dem neuen gut aussehenden Gast, der seit Kurzem im Restaurant speist? Die geheimnisvolle Aura, die ihn umgibt lässt sie nicht mehr los.

Wie es der Zufall so will begegnen sich Mr. Dreamy, so nennt sie ihn in Gedanken, und Clara außerhalb ihrer Komfortzone. Dieses Ereignis ist der Zündstoff, den sie gebraucht hat, um aus ihrem „langweiligen“ Leben auszubrechen. Pfeif auf alles. Viktor ist ihr Retter. Selbst seine offensichtlichen kriminellen Handlungen schrecken Clara nicht ab. Das Luxusleben und die täglichen Abenteuer feuern sie zusätzlich an. Genau das ist es was sie wollte. Als Partnerin von Viktor dem Kunstfälscher stellt, ergeht es ihr eine Zeit lang gut. Sehr gut sogar. Geld spielt keine Rolle.

Der Einzige, der Viktors Plan durchschaut und ihn ausgezeichnet kennt, ist ein Interpol Ermittler, der der den beiden auf den Fersen ist.

Aufgrund der neu gewonnenen Euphorie und der rosaroten Brille sieht Clara nicht, dass für Viktor Liebe keinen größeren Wert hat als seine Kunstwerke, die er im Gegensatz dazu spielend leicht zu Geld macht. Dank Clara an seiner Seite umso besser. Wer würde es wagen, die Habseligkeiten einer Frau ohne triftigen Grund zu durchsuchen? Eben.


Mein Fazit

Der Beginn des Buches macht Lust auf mehr. Wir erfahren im Prolog, um wen es sich um Viktor handelt. Er ist ein Spezialist, wenn es darum geht teure Kunstwerke zu fälschen. Das Gemälde ist 100 Jahre alt, die Farben sind matt und der Rahmen hat einen Sprung, kein Problem für unseren Mr. Dreamy. Das Herz einer naiven und vom Leben gelangweilten Köchin stehlen? Auch das ist ein Kinderspiel.

Ihr habt sicher schon einmal davon gehört, dass Menschen eines Tages die Entscheidung treffen, ihr Leben auf den Kopf zu stellen, um neu anzufangen, oder? Auch davon, dass diejenige weiß, um wen es sich bei ihrem neuen Partner handelt und sich bewusst ist, welche Konsequenzen dieser Schritt haben wird? Nein? Ich auch nicht. Denn da fängt das Ganze an, für mich unglaubwürdig zu werden.

Clara vermittelte mir anfangs den Eindruck, als hätte sie in ihrem Leben schon viele wichtige Schritte bewältigt. Ein toller Beruf, der eine lukrative Zukunft verspricht, ein Partner, der immer und jederzeit für unsere viel beschäftigte Köchin da ist und ein tolles Umfeld bestehend aus einer Handvoll toller Menschen.

All das wirft sie innerhalb weniger Minuten zwischen der ersten Begegnung mit Viktor außerhalb ihrer Komfortzone und der Zubereitung der titelgebenden Minestrone weg. Die Gründe dafür werden uns immer wieder im Laufe der Handlung wie ein Mantra vorgesagt.

Nach dem Durchspielen sämtlicher Szenarien und Beachtung ihres „langweiligen“ Lebens kam ich zu folgendem Schluss. Clara ist, wie sie es selbst gegenüber dem Interpol Ermittler, in einem anderen Kontext, selbst gesagt hat, „Dumm und naiv“. Anders kann ich mir nicht vorstellen, warum es ihrer Meinung nach eine gute Entscheidung war, einem Verbrecher, welcher sich schon zuvor als solcher gezeigt hat, blind zu folgen, nur um ihrem bisherigen Leben zu entkommen. Ihre rosarote Brille schützte sie erfolgreich vor den Warnungen des Ermittlers, dass Viktor sehr wahrscheinlich ein falsches Spiel mit ihr treibt. Clara, die offenbar bisher noch nie gelogen und einen ehrlichen Eindruck gemacht hat, log von da an, dass sich die Balken nicht nur bogen, sondern verknoteten. Vielleicht war der Imagewechsel notwendig, um einen Schlussstrich zu ziehen und neu anzufangen. Ich weiß es nicht.

Dass sie erst gegen Ende bemerkt, wie sehr Viktor sie ausnutzt und unter Kontrolle hat, macht es nicht besser. Von der schicksalhaften Begegnung an machte sich ein Gefühl in mir breit, welches ich als Mitleid bezeichnen würde. Clara tat mir einfach nur leid. Sie wollte „nur“ aus ihrem perfekten Leben ausbrechen. Was sie dafür getan und letztendlich bekommen hat, war es, meiner Meinung nach nicht wert. Das letzte Kapitel war eine Enttäuschung und kam nahezu aus dem Nichts. Die minimalen Andeutungen während der Handlung die diesen Ausgang erklären, helfen da nur bedingt.

Ich wurde schon lange nicht mehr so enttäuscht. Der Klappentext verspricht wirklich nicht viel. Gründe, warum man das Buch als Krimi bezeichnen könnte, suchte ich bis zum bitteren Ende vergebens. Mehr als ein seichtes Liebesdrama mit einem minimalen Hauch vom genannten Genre ist es nicht. Und das ist unglaublich schade.


Buchinformationen

VerlagEmons Verlag
AutorinSimone Hausladen
Erscheinungsjahr2023
GenreKrimi?
Seiten224
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Informationen über die Autorin

Simone Hausladen wurde 1977 in der Oberpfalz geboren. Die Therapeutin und Autorin ist Mutter von drei Kindern. Sie lebte zehn Jahre lang in Zürich und sechs Jahre in Shanghai. Derzeit ist sie mit ihrer Familie in Münster zu Hause.

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