[Rezension, Reread] Sjöwall & Wahlöö „Der Polizistenmörder“ (Martin Beck Reihe 9)

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Einleitung

Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Vor etwas über einem Jahr habe ich angefangen, die Martin Beck Reihe zum keine Ahnung wievielten Mal zu lesen. Nun sind wir schon bei Teil 9. Ähnlich wie vor ein paar Jahren macht es mir viel Spaß, die Bücher zu lesen. Fast keines hat an Charme verloren, andere wiederum wirken komplett aus der Zeit gefallen, oder sind eher mäßig gealtert. Das merkt man besonders an „Der Mann, der sich in Luft auflöste“. Schade darum, denn die Thematik ist/war recht spannend. Da wäre sicher mehr möglich gewesen. Ob es sich lohnen würde, die alten Bücher neu aufzulegen? Welcher Autor würde sich gut dafür eignen? Solche Gedankenspiele sind genau mein Fall.

Jetzt geht es weiter mit meiner Rezension, die wie die anderen zuvor für meine Verhältnisse recht kurz gehalten ist.


Grober Handlungsverlauf

Zu Beginn werden wir Zeugen, wie eine Frau verschleppt und getötet wurde. Der Täter verwischt sorgfältig seine Spuren. Er kehrt in seinen Alltag zurück, als wäre nichts gewesen. Zufälligerweise wohnt ein bestens bekannter Sexualstraftäter in der gleichen Ortschaft wie das Opfer. Somit ist klar, dass er sich an ihr vergangen haben muss. Immerhin gleicht der Tötungsakt seiner vergangenen Methode.

Dass seine fragwürdige Meinung über Frauen und deren Verhalten immer noch Teil seines Charakters ist, macht die Lage für ihn nicht besser. Somit wird er nach einer Befragung durch Martin Beck und seinem Kollegen Kollberg verhaftet. Ende gut, alles gut, oder? Nicht ganz. Unser Kommissar ist nicht davon überzeugt, dass Folke Bengtsson wieder zugeschlagen hat, es gibt kaum Beweise und er war zum Tatzeitpunkt nicht in der Nähe, auch wenn er das Opfer kurz zuvor noch getroffen hat.

Woanders findet eine Schießerei zwischen Streifenpolizisten und zwei jungen Dieben statt. Während eine speziell dafür ausgesuchte Einheit dem entflohenen Dieb auf den Fersen ist, gerät der erste Fall immer mehr in den Hintergrund.


Mein Fazit

Früher wie heute bin ich bei „Der Polizistenmörder“ zwiegespalten. Einerseits haben mir die rasanten Szenen, die im Vergleich zu den anderen Teilen häufiger vorkamen, wirklich gut gefallen, andererseits wurde recht wenig über das eigentliche Thema gesprochen. Der Vergewaltigungsteil nahm viel Raum in der Handlung ein. Die Befragungen vom einst verurteilten und nun in Frieden lebenden Sexualstraftäter zogen sich sehr in die Länge. Auf der anderen Seite wiederum wurde recht viel über die neue Umgebung geschrieben. Erzählerisch und vom Detailreichtum gut gelungen. Auch die Absätze, in denen Martin Beck ermittelte und mit seinem im Ort ansässigen Partner eine schöne Zeit hatte, empfand ich ebenfalls als gut.

Abwechslung gab es also genug. Viel zu kurz gekommen ist der Fall des Polizistenmörders. Nicht nur, weil dieser erst nach der Hälfte des Buches in Fahrt gekommen ist, sondern auch, weil schon von Anfang klar war, was vorgefallen ist. Somit schlich man den ahnungslosen Ermittlern hinterher, bis dann der große Showdown die Erlösung brachte.

War zumindest der Abschluss des Sexualfalles da hinfiebern wert? Ja. Bedingt dadurch, dass der Täter nicht durch die halbe Stadt gejagt werden musste und die schlussendliche Befragung friedlich ablief, bekamen wir hier einen angenehmen Ausgleich zum anderen Fall.

Ein guter neunter Teil, mit mehreren Schwächen, aber dennoch gut lesbar und unterhält für ein paar Stunden.


Buchinformationen

VerlagRowohlt Taschenbuch
AutorenSjöwall & Wahlöö
Erscheinungsjahr2008/6. Auflage
GenreKrimi
Seiten352
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Informationen über die Autoren

MAJ SJÖWALL

Maj Sjöwall, 1935 in Stockholm geboren, studierte Graphik und Journalismus und arbeitete für verschiedene Zeitschriften. Mit ihrem Mann Per Wahlöö schrieb sie die erfolgreiche Krimiserie um den Kommissar Martin Beck die auch verfilmt wurde. 1996 erhielt Sjöwall für die erste Serienverfilmung von Kommissar Beck den Adolf-Grimme-Preis (zusammen mit Gösta Ekmann). Zuletzt arbeitete Maj Sjöwall als Übersetzerin in Stockholm, wo sie im April 2020 verstarb.  

PER WAHLÖÖ

Per Wahlöö, 1926 im schwedischen Lund geboren, machte nach dem Studium der Geschichte als Journalist Karriere. In den fünfziger Jahren ging er nach Spanien und wurde 1956 vom Franco-Regime ausgewiesen. Nach verschiedenen Reisen um die halbe Welt ließ er sich wieder in Schweden nieder und arbeitete dort als Schriftsteller. Per Wahlöö starb 1975 in seiner Heimatstadt.

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