[Rezension] Marc Raabe „Die Dämmerung“

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Einleitung

Vor etwas über einem Jahr habe ich zum ersten Mal vom Autor Marc Raabe gehört und kurz danach mein erstes Buch von ihm gelesen. Auch wenn ich damals etwas zum Meckern hatte, konnte es mich für ein paar Abende gut unterhalten. Wie sieht es hier aus? Hat mir der Nachfolger besser gefallen?

Innerhalb des genannten Zeitraumes habe ich viele spannende Thriller von weit weniger bekannten Autoren gelesen. Diese konnten mich großteils überzeugen. Was auch bedeutet, dass es dieses Buch schwerer als sein Vorgänger gehabt hat. Was wieder einmal beweist, dass Bestseller nicht mit „bestes Buch“ gleichzusetzen ist. Das hat hoffentlich niemand erwartet. Oder? 😉

Nun ist es wieder an der Zeit, mit meiner Rezension fortzufahren. Viel Spaß beim Lesen. 🙂

Über eure Meinungen, eure Ansichten oder einfach einen freundlichen Kommentar würde ich mich freuen.


Grober Handlungsverlauf

Halb Mensch, halb Tier. So könnte man die „Kreatur“ nennen, welche eines Tages im Königswald bizarr arrangiert gefunden wird. Nach Entfernen des Gestrüpps und der seltsamen Paste kommt eine Frau zum Vorschein. Aber nicht irgendeine. Charlotte Tempel ist eine gefeierte Wohltäterin, die für den wichtigsten Medienpreis des Landes nominiert ist. Der Kopfschmuck von letzterem ähnelt dem der Toten sehr. Wollte sich der Mörder etwa über sie und den Preis lustig machen? Irgendwie komisch, dass ausgerechnet eine so beliebte und gutherzige Person auf so grausame Art und Weise getötet wurde.

Art Mayer und Nele Tschaikowski, welche wir bereits aus „der Morgen“ kennen, werden auf den Fall angesetzt. Bald machen die beiden die Tochter, namens Leo, ausfindig. Diese stellt sich alles andere als kooperativ heraus. Im Gegenteil. Sie ist unberechenbar, begabt darin ihre Gefühlte zu verstecken und rebellisch ist sie auch noch. Ihre Meinung über ihre Mutter macht die Sachlage für andere Ermittler klar. Die beiden haben wohl gestritten, was nicht das erste Mal wäre und darauf hin, brachte Leo sie eiskalt um. Klingt zu einfach, um wahr zu sein.

Vor allem: Hat die Beschuldigte diesen Mord wirklich alleine begangen? Einfach vergraben oder in den Fluss werfen hätte es doch auch getan. Aber nein. Die Leiche wurde zur relativ offen Schau gestellt.

Art Mayer ist skeptisch. Ja, es mag vieles für Leo als Mörderin sprechen, aber dazu fähig zu sein ist eine andere Sache. Daraufhin sammelt unser Duo einen Hinweis nach dem anderen und begeben sich wie ins Visier des Täters. Zwischen den Kapiteln werden wir über die Vergangenheit bestimmter Charaktere aufgeklärt und erfahren nach und nach, wie es überhaupt zu diesem Mord kommen konnte.

Schafft es unser Team, den Fall aufzuklären, bevor der nächste Mord passiert?


Mein Fazit

Vor etwa einem Jahr habe ich den Vorgänger „Der Morgen“ gelesen. Dieser hat mir, mal abgesehen von ein paar Kritikpunkten, recht gut gefallen. Dementsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis Teil zwei in meinem Warenkorb landet. Vorweg kann ich sagen: Ja, das Buch hat mir etwas besser gefallen, aber dennoch missfielen mir wieder ein paar Dinge. Fangen wir also wie immer am Anfang an.

Dieser gestaltet sich recht rasant. Ein Wildschwein attackiert eine junge Frau. Diese kann sich gerade so retten. Während ihrer Flucht hört sie einen markerschütternden Schrei. Ein paar Meter von ihr entfernt findet sie ein Mischwesen, welches sich später als die tote Charlotte Tempel herausstellt. Bis hierhin hat mir das Buch gut gefallen. Knallharte Action. Herzklopfen. Zur Krönung eine Portion Entsetzen.

Danach ebbt das Tempo etwas ab, als Art Mayer und Nele Tschaikowski den Fall übernehmen. Was folgt, ist eine gut geschriebene und rasante Ermittlung. Die beiden Charaktere haben sich von Teil eins weg bis hierhin gut weiterentwickelt. Die Ereignisse von vor einiger Zeit stecken ihnen immer noch in den Knochen. Arts Privatleben ist turbulent wie eh und je. Seine „Ziehtochter“ haltet ihn auf Trab. Und sonst hat er immer was zu tun. Nele hingegen geht es diesmal etwas ruhiger an. Aus guten Gründen versteht sich. Dementsprechend steht sie diesmal etwas weniger im Rampenlicht. Dennoch gerade so viel, dass sie nicht wie ein Anhängsel wirkt. Außerhalb des Wahrnehmungsbereiches der beiden tut sich nicht viel. Ihre Kollegen sind etwas blass und tragen zum Geschehen nicht mehr bei als sie sollten.

Leo, die Tochter von Charlotte Tempel, hält unser Duo ordentlich auf Trab. Bedingt durch die Umstände zeigt diese sehr viele Charaktereigenschaften auf einmal. Außerdem ist ihr Handeln in der Regel unberechenbar und stellenweise brutal. Passt irgendwie so gar nicht zu ihrer Mutter. Daher ist es kein Wunder, dass sie zuerst ins Visier der Ermittler gerät. Zwischen dem aktuellen Geschehen wird eine Tonband-Aufnahme abgespielt, welche viele Fragen zur gegenwärtigen Lage beantwortet und eine durchaus spannende Geschichte erzählt. In dieser kommen zwei Charaktere vor, welche in der Handlung auch ihren Auftritt haben. Die Namen wurden jedoch geändert.

Bis es zum schlussendlichen Showdown kommt, vergeht eine Weile. Diese ist glücklicherweise nicht lange von Dauer. Denn der Schreibstil erzeugt eine recht hohe Geschwindigkeit, sodass die Geschehnisse gerade zu an einem vorbeifliegen. Was in den meisten Fällen gut funktioniert hat.

Jedoch haben mich ein paar Dinge beim Lesen gestört.

Zuerst das Offensichtlichste. Die Aufmachung der Handlung ist der im ersten Teil sehr ähnlich, wenn nicht sogar identisch. Schade, dass sich hier nichts anderes überlegt wurde. Wieder wurde darauf verzichtet, einen Charakter als Täter:in zu nehmen, den/die man kennt und welcher bereits Anzeichen gezeigt hat, dass mit ihm/ihr etwas nicht stimmt. Stattdessen wurde, böse gesagt, ein/e Statist:in gewählt, der/die mit dem Geschehen relativ wenig zu tun hat. Anwesend und etwas komisch zu sein reicht wohl aus, um als Mörder:in durchzugehen. Die Glaubhaftigkeit seines/ihres Motivs war löchriger als ein Schweizerkäse. Ich habe ihm/ihr seine/ihre Rolle keine Minute abgenommen. Schade.

Die genannten Punkte haben mir das Buch etwas madig gemacht. Fühlt sich sehr nach Recycling an. Was prinzipiell nichts Schlechtes ist. Es gibt genügend Leser:innen da draußen, die sich wohl damit fühlen ein bekanntes Schema vor Augen zu haben und nicht auf unerwartete Wendungen zu treffen. Für mich ist das leider nichts. Andere größere Autoren habe ich dafür ausreichend kritisiert. Verstehe aber, warum das so gehandhabt wird.

Trotz aller Kritik könnte das Buch, bzw. die Reihe, etwas für euch sein, wenn euch meine genannten Punkte nicht stören.


Buchinformationen

VerlagUllstein
AutorMarc Raabe
Erscheinungsjahr2024
GenreThriller
Seiten512
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Informationen über den Autor

Marc Raabe hat eine TV- und Medienproduktion aufgebaut, bevor er sich 2021 für ein Leben als Autor entschied. Zu diesem Zeitpunkt begann er mit der Art-Mayer-Serie. Seine Bestseller erscheinen in mehr als zehn Sprachen. Sein Handwerkszeug sind filmisches Erzählen, Schnitttechniken, Cliffhanger und Psychologie. Das Ergebnis: ein rasantes Kopfkino mit Tiefe. So wie seine Ermittlerfiguren bricht auch Marc Raabe hin und wieder Regeln.

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