[Rezension] Jenny Lund Madsen „30 Tage Dunkelheit“

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Einleitung

Auf der Suche nach neuen Büchern von Autoren, die ich noch nicht kenne, habe ich bei meiner Suche „30 Tage Dunkelheit“ von Jenny Lund Madsen entdeckt. Rein optisch machte es einen guten Eindruck. Richtig schöne Farbverläufe, eine tolle Landschaft im Hintergrund und eine Schrift, die teilweise mit den Bergen im Hintergrund verschmilzt. Hat was.

Auch der Klappentext klang vielversprechend. Diesmal steht kein Ermittler/keine Ermittlerin im Vordergrund. Sondern eine Schriftstellerin, welche durch besondere Umstände in ein kleines isländisches Dorf reist, um dort nach Inspiration für ihren neuen Kriminalroman zu suchen. Jedoch schreibt sie sonst keine Romane dieser Art. Sie verabscheut diese sogar und zieht ihre „anspruchsvollere“ Literatur dementsprechend vor. Berühmte Autoren, die mit ihren seelenlosen Werken berühmt geworden sind, verabscheut sie zutiefst.

Aber wie kam es überhaupt dazu, dass sich Hannah Krause-Bendix auf dieses Niveau herablässt? Seid gespannt.


Grober Handlungsverlauf

Die Handlung beginnt direkt mit einer Rückblende, in der ein junger Mann gejagt wird. Stehen bleiben ist keine Option. Zurück nach Hause laufen ebenso wenig. Nach seinem Sprint scheint er wohl jegliche Orientierung verloren zu haben. Leider begeht dieser schon bald einen Fehler, welchen ihm sein Leben kostet. Nächstes Kapitel.

Wir lernen unsere Protagonistin kennen. Diese ist gerade dabei, einen neuen Roman zu schreiben. Aber irgendwie kommt sie nicht weiter. Irgendetwas fehlt. Rotwein und Zigaretten helfen ihr in dem Fall auch nicht wirklich.

Schon bald kommt ihr Lektor auf die glorreiche Idee, sie mit, zu einer Buchmesse mitzunehmen, um ihre Bücher besser vermarkten zu können. Denn auch wenn Hannah relativ anspruchsvolle Bücher schreibt, ist ihre Zielgruppe verschwindend klein. Die Masse kennt unsere Schriftstellerin gar nicht. Zugegeben, sie möchte mit dieser eigentlich nicht zu tun haben. Was weiß das Fußvolk schon über gute Literatur? Eben.

Dennoch geht sie auf das Angebot ein. Welches Hannah schon bald bereut und schlussendlich dafür sorgt, dass sie im Anschluss eine Reise in ein isländisches Dorf antritt, in dem sich mehr Inspiration finden lässt, als gedacht.


Mein Fazit

Ich weiß nicht, wann mir zum letzten Mal ein Hauptcharakter in einem Buch direkt unsympathisch war. Eine verbitterte Schriftstellerin, welche dem Alkohol alles andere als abgeneigt ist und ihre Kollegen inklusive Fangemeinde bis ins hinterste Eck verabscheut, ist eine sagen wir interessante Wahl für eine Protagonistin, welche wir knapp 400 Seiten an der Backe haben.

Aber dieser Eindruck hält glücklicherweise nicht so lange, da Hannah recht schnell Gefallen an ihrer „Ermittlerrolle“ gefunden hat und dadurch etwas sympathischer wirkt und ein paar anstrengende Charaktereigenschaften kindlicher Neugier gewichen sind. Was alleine daran liegt, dass sie sich bei Befragungen selten dämlich anstellt. Da die Bewohner des kleinen Dorfes keine Gefahr in unserer Schriftstellerin zu sehen scheinen, erzählen sie ihr (meistens) bereitwillig, was unsere Inspirationsjägerin wissen möchte. Informationen, die nicht einmal unser bester und einziger Polizist aus den Leuten heraus quetschen konnte. Die Szenen der Befragung und die kleinen Streitereien zwischen Hannah und unserem Gesetzeshüter fand ich witziger, als sie es vermutlich sein sollten.

Die Handlung selbst wurde ordentlich, ohne große Spitzen oder Leerläufe relativ spannend erzählt. Die teilweise schweigsamen Bewohner ließen immer einen Hauch Gefahr mitschwingen. Eine Frage, eine Nachforschung mehr und Hannah kann sich warm anziehen. Die ältere Dame, welche unsere Schriftstellerin bei sich wohnen lässt, schärft ihr immer wieder ein, nicht zu viele Fragen zu stellen. Wer weiß, was sonst passiert. Selbst verständlich hält sich zweitere von da an brav an den Ratschlag.

Nicht. Wenn Sturheit, Entschlossenheit und Neugier aufeinandertreffen, ist der Zeitpunkt angelangt, sich Popcorn zu holen.

Hannah kam mir oft vor wie ein kleines Kind, welches nicht einsehen wollte, dass langsam ein Punkt erreicht ist, an dem man besser nichts mehr sagen sollte. Trotzdem wird nachgehakt. Das sorgte im Endeffekt nicht nur für weiteren Unmut, sondern auch dafür, dass der Täter etwas mehr Arbeit hatte. Das unvermeidbare Ende wurde gut umgesetzt. Ein spannender Showdown mit ein paar unvorhersehbaren Wendungen. Diese retteten die gelegentlichen Leerläufe innerhalb der Handlung.

Noch ein paar Worte zu den Charakteren. Hannah hat sich im Laufe des Buches positiv weiterentwickelt. Ihre Gastgeberin zeigte viele Facetten, welche man ihr gar nicht zugetraut hätte. Die restlichen Charaktere entsprachen mehr oder weniger den typischen Stereotypen. Eine Ehefrau, welche sich um ihren und Kinder kümmern muss und sich eigentlich nach mehr sehnt, ein aggressiver Ehemann, eine alte sehr gesprächige Dame mit Hund, eine Handvoll Jugendliche, welche fröhlich dem Alkohol frönen, und viele mehr. Ihr seht schon, es ist alles da, um ein Dorf mit den wichtigsten Persönlichkeiten auszustatten, mehr aber auch nicht.

Insgesamt ein guter Krimi, welcher grundsätzlich alles richtig macht und sich keine groben Fehler leistet. Die Umgebung lädt zum Träumen ein. Möchte gerne einmal nach Island fahren.


Buchinformationen

VerlagTropen
AutorinJenny Lund Madsen
Erscheinungsjahr2023
GenreKrimi
Seiten400
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Informationen über die Autorin

Jenny Lund Madsen, geboren 1983, ist eine der renommiertesten Drehbuchautorinnen Dänemarks. Für ihren Debütroman Dreißig Tage Dunkelheit wurde sie mit dem Harald Mogensen Prize für den besten dänischen Kriminalroman ausgezeichnet.

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