[Rezension] Jasmin Schreiber „Der Mauersegler“

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Hier am Meer, der Strand als Bühne, die Dünen und der Wald als Publikum hier hörte er die Natur wieder. Milliarden kleiner Stoffwechsel, Milliarden kleiner Herzschläge, endlos viele Augen und Fühler und Halme und Blätter, alle vibrierten sie und flüsterten und raschelten, kommunizierten in Sprachen, die Menschen nicht beherrschten, die er aber doch irgendwie wahrnehmen konnte.

Oder er war einfach schon immer leicht verrückt gewesen, dachte er sich, während er im Fahrerraum seiner neuen Arztkutsche saß und sie mit Sand und Steinchen vollkrümelte. Er besah sich den Innenraum seines Wagens, den er immer mehr hasste. Dann startete er den Motor, setzte zurück, stellte sich kurz all die Tiere und Pflanzen vor, die ihn jetzt beobachten mochten, dachten an Jakob, den Mond und die Hündin Laika, die sie damals einfach zum Sterben in den Weltraum geschossen hatten, was für Arschlöcher. Und dann gab er Gas.



Mein Fazit

Prometheus und Jakob kennen sich seit ihrer Kindheit. Keine Minute wichen sie sich von der Seite. Jeder kleine und scheinbar unbedeutende Moment war für die Beiden etwas Großes. 

Auch im Jugend und Erwachsenenalter konnte man sie nicht voneinander trennen. Bis zu jenem Tag als Jakob seine endgültige Diagnose bekommen hat und von da an um sein Leben kämpfen musste. Zum Glück ist sein bester Freund einer der behandelnden Ärzte. 

Da kommt Prometheus auch noch mit einer innovativen Behandlungsmethode an, die Jakob wieder heilen könnte. Das kann ja nur gut gehen. Oder? Leider nein. Der Tod tritt schneller ein als ein Mauersegler wieder an Höhe gewinnen kann. 

Den härtesten Sturz erleben hingegen die Angehörigen und vor allem Prometheus. Der ihn offenbar auf dem Gewissen hat. Er flüchtet bis nach Dänemark, wo er von zwei anfangs seltsamen Frauen aufgegriffen wird, die ihm einen Unterschlupf anbieten. Mit der Zeit wird klar, dass nicht nur Prometheus eine Last mit sich rumschleppt …

Jedes Buch von Jasmin Schreiber ist wie eine Wundertüte, die mit allerlei schönen wie traurigen Dingen gefüllt ist. Egal nach welcher Geschmacksrichtung du suchst, du wirst fündig. Damit will ich sagen, dass es so viele verschiedene Emotionen und Schattierung derer enthält, sodass man beim Lesen nicht nur eine Seite des Hauptcharakters, der Nebencharaktere, und der Umgebung präsentiert bekommt. Die gelegentlichen Beschreibungen und Vergleiche mit dem titelgebenden Mauersegler passen immer perfekt zur gegenwärtigen Situation. 

Prometheus selbst erstrahlt in so vielen verschiedenen Facetten, oder wie in meinem Kopf in vielen Farben, das ist der Wahnsinn. Zugegeben, was habe ich auch anderes von der Autorin erwartet? Jedes Buch von ihr strahlt immer das gewisse Etwas aus. Alles wirkt so gut durchdacht und nicht einfach hingeklatscht. Das Buch selbst ist ein wahrer Augenschmaus. Schöne Motive, ein Umschlag der das Buch sanft umschmeichelt und nicht zu vergessen ein Bändchen als Lesezeichen Ersatz. Ausgezeichnet.


VerlagAutorBezeichnungSeitenErscheinungsjahrLink zur Buchhandlung
EichbornJasmin SchreiberLiterarische Unterhaltung2402021Bei Tyrolia bestellen

Infos über die Autorin

Jasmin Schreiber, geboren 1988, ist studierte Biologin und arbeitet als Schriftstellerin. Ihr Bestseller MARIANENGRABEN war das erfolgreichste belletristische Debüt 2020, im März 2021 folgte ihr humorvoll erzählerisches Sachbuch ABSCHIED VON HERMINE, das sich ebenfalls in der SPIEGEL-Bestsellerliste platzieren konnte. Im Wissenschaftspodcast BUGTALES.FM erzählt sie von Nacktmullen, Bärtierchen und Walexplosionen. Gemeinsam mit einer absurden Anzahl an Tieren lebt Schreiber in Hamburg und macht das Internet auf Twitter und Instagram unter @LaVieVagabonde unsicher.

https://www.luebbe.de/eichborn/autoren/jasmin-schreiber/id_7725585

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