[Rezension] Anabelle Stehl „Runaway“

Die Menschen die wir am meisten lieben,

haben auch die Macht,

uns am meisten zu verletzen



Kurz vor dem Abitur wird Miriam schwanger. Zusammen mit ihrem Freund entschließt sie sich zu einer Abtreibung, über die sie Jahre später in einem Podcast berichtet.

Als ihre Familie diesen entdeckt, bricht sie den Kontakt ab – enttäuscht nicht nur von Miriams Entscheidung, sondern auch davon, dass sie sich ihnen nicht anvertraut hat. Miriam ist verletzt, besonders vom Verhalten ihrer Schwester Louisa, die sich einfach nicht mehr bei ihr meldet.

Unterstützung erhält Miri dagegen von ihren Freundinnen – und von Elias, dem Mann, in den sie schon lange verliebt ist, der in ihr allerdings nie etwas anderes als die beste Freundin seiner kleinen Schwester sehen wird. Oder doch?

Denn bei ihren Treffen sendet er ihr verwirrende Signale, wirft ihr lange Blicke zu und vertraut ihr Dinge an, von denen sonst niemand weiß. Als Miriam sich ihm öffnet und ihm ihre Gefühle gesteht, blockt er jedoch ab und lässt sich enttäuscht zurück. Nach dem Chaos der letzten Monate und seiner ausweglosen privaten Situation wehrt Elias such mit aller Macht dagegen, die eine Sache zu gefährden, die ihm in seinem Leben Stabilität gibt: die Freundschaft zu Miriam – auch wenn das, was er für sie empfindet, schon lange über freundschaftliche Gefühle hinausgeht …


Fazit

Eine folgenschwere Entscheidung und ein Podcast reichen aus um Miriams Leben durcheinander zu bringen. Dabei waren ihr Ex-Freund und sie der vollen Überzeugung das Richtige zu tun. Während Finns Eltern damit relativ gut klar kommen, wenden sich Miriams Eltern von ihr ab. Fand ich etwas übertrieben bis zu dem Zeitpunkt als sich ihre Schwester nicht nur gegen sie stellt, sondern auch beschuldigt unüberlegt ein Leben beendet zu haben. Warum sich Lou deswegen so aufregt erfahren wir später. Das macht ihre Reaktion leider nicht viel nachvollziehbarer.

Auf der anderen Seite haben wir Elias. Ihn kennen wir ebenfalls aus den letzten beiden Büchern. Dieser steckt in einer Zwickmühle. Einerseits hat er mit seinem Bruder Noah die Zukunft der Firma ihres Vaters komplett geplant und wartet (eigentlich) nur darauf diese eines Tages mit seinem Partner übernehmen zu können. Andererseits bereitet ihm sein Nebenjob viel mehr Freude als der eigentliche für ihn geplante. Als dann dieser auf der Kippe steht muss er sich entscheiden. 

Dann ist da noch Miriam, für die er schon länger etwas empfindet. Sein Verstand hindert sein Herz daran einfach nachzugeben, und diesen wundervollen Menschen einfach zu lieben. (Würde das Buch weniger langatmig machen, aber hey)

Letztere empfindet ebenfalls schon länger Gefühle für Elias. Doch wie soll sie es ihm sagen? 

Viel Zeit darüber nachzudenken hat sie allerdings nichts. Die Reaktionen ihrer Eltern auf ihren Schwangerschaftsabbruch nehmen mehr Zeit in Anspruch als sie sollten. Gerade ihre Schwester hat sie zutiefst verletzt. Damit muss sie erstmal klar kommen. Zumindest kann sie auf ihre Freunde und vor allem Elias zählen.

Irgendwie hab ich mir das Finale anders vorgestellt. Es wurde viel Wind um Miriams Entscheidung gemacht, und die Autorin hat viel Zeit damit verbracht uns näher zu bringen wie sehr ihre Eltern inklusive Schwester von ihr enttäuscht sind. Ihre Freizeitaktivitäten und ihre aufkeimende Liebe zu Elias rücken dabei stark in den Hintergrund.

Ich habe die Zeilen gelesen und dachte mir: Ja,ok. Schön. Und weiter? Kommt da noch was? Viele wichtigen “Stationen” wurden anfangs groß aufgebauscht, und dann schnell abgehakt. Die gemeinsamen Momente von Elias und Miriam, eigentlich spannende und tolle Charaktere, wurden schnell abgefrühstückt. Das ist wirklich schade. 

Ihre Geschichte von früher bis heute hätte mich sehr interessiert. Also wie kam es überhaupt zu ihrer und Finns Entscheidung. Kurz anreißen und dann ruhen lassen ist mir zu wenig.


VerlagAutorBezeichnungSeitenErscheinungsjahrLink zur Buchhandlung
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Infos zur Autorin

Anabelle Stehl wurde 1993 in Bad Kreuznach geboren und liebt Geschichten und Bücher seit frühester Kindheit. Für ihr Germanistik Studium zog sie nach Leipzip und anschließend für den Master in Linguistik nach Irland.

Mittlerweile lebt, schreibt und arbeitet Anabelle in ihrer Lieblingsstadt Leipzip. Auf Instagram ist sie unter dem Namen @anabellestehl zu finden.

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