[Rezension] Kathinka Engel „Love is wild: Uns gehört die Welt“

Mir entfährt ein leises Lachen.

>> Weißt du, ich habe gelernt, dass man sein Herz nicht an Menschen hängen sollte. Man kann es genießen, solange sie da sind, aber früher oder später verpissen sie sich <<, sage ich.

>> Wie meinst du das? <<, fragt Amory. >> Vielleicht gibt es Menschen, so wie dich, bei denen bleiben immer alle. Die sind wie Magnete. Die sind der einzige Pluspol umgeben von lauter Minuspolen. Und dann gibt´s halt mich. Der Minuspol unter den Minuspolen oder so. Da bleibt niemand. Die werden alle abgestoßen. <<

Ich zucke mit den Schultern. Ich stoße sie ab.

Wieder sagt sie für einen Augenblick nichts.

Alles, was ich höre, sind mein eigener Herzschlag, meine Schluckversuche und das Grölen eines Betrunkenen draußen.

Ich würde gern mit ihm tauschen.

Betrunken sein.

Den Kopf ruhig stellen.

>> Wenn das stimmt <<, sagt Amory dann, >> wirst du mich jedenfalls nicht los. Wenn ich ein Pluspol bin und du ein Minuspol bist… <<



Fazit

Seit Curtis seine Eltern bei einer Katastrophe verloren hat läuft er wild und unkontrolliert durch seinen Alltag.

Egal ob freundliche oder böse Absichten hinter den Handlungen seiner Mitmenschen stecken, er weist sie fast immer ab.

In vielen Fällen massiert er mit seinen Fäusten die zarte Visage seines Gegenübers. 

Ohne die Band, in der er die Rolle des Schlagzeugers übernimmt, und Amory mit der er ein rein sexuelles Verhältnis pflegt, würde Curtis innerlich und äußerlich endgültig zerbrechen.

Als Freundin hilft sie ihm regelmäßig aus den harten Phasen raus, aber eine Beziehung möchte Amory aufgrund seines psychischen Zustandes nicht. 

Daher ist sie auf der Suche nach einem Partner der ihr ebenbürtig ist, und mitten im Leben steht. Amory lernt den scheinbar perfekten Mann kennen mit dem sie eine Weile glücklich zu sein scheint.

Doch es dauert nicht lange, da machen sich Zweifel breit.

Vor allem weil dieser sie nach seinen Bedürfnissen formen will.

Was Amory, und vor allem Curtis nicht gut heißen. 

Wie geht es also weiter?

Finden die Beiden einen Weg doch zusammenzukommen? 

Wo fange ich nur an?

Am Besten am Anfang.

Der zieht sich unfassbar in die Länge, gerade weil die gewalttätigen Eskapaden von Curtis auf Dauer unerträglich sind.

Gerade auf den ersten 200 Seiten ist das Lesen eine Geduldsprobe.

Seine Bandkollegen, und sein Umfeld ziehen leider den Kürzeren.

Danach geht es glücklicherweise bergauf. Man erfährt mehr über seine tragische Vergangenheit.

Was ihm fehlt. Warum er so ist wie er ist. Immer mehr wird sein eigentlich sympathischer Kern sichtbar, den er bisher immer beschützt hat. 

Als Amory dann eine Beziehung führt zieht Curtis endgültig die Reißleine und bessert sich nach und nach.

Dieser Vorgang hat mir am Meisten gefallen. Gut, nach ca 200 Seiten Schneckentempo ist das aufkommende Tempo wirklich nötig. 

Amory war mir immer sympathisch. Sie ist stark, witzig, intelligent, aber manchmal hat auch sie ihre Selbstzweifel.

Ich fand es schön wie sie sich um Curtis gekümmert, und ihm die schönen Seiten des Lebens gezeigt hat. Ende gut, alles gut.


VerlagAutorBezeichnungSeitenErscheinungsjahrLink zur Buchhandlung
PiperKathinka EngelBelletristik4162020Bei Tyrolia bestellen

Infos zur Autorin

Kathinka Engel kennt die Buchwelt aus verschiedensten Perspektiven: Als leidenschaftliche Leserin studierte sie allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, arbeitete für eine Literaturagentur, ein Literaturmagazin und als Redakteurin, Übersetzerin und Lektorin für verschiedene Verlage.

Wenn sie nicht gerade schreibt oder liest, trifft man sie in Craft-Beer-Kneipen, im Fußballstadion oder als Backpackerin auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer.

Mit ihrem Debüt >> Finde mich. Jetzt. << schaffte Kathinka Engel es aus dem Stand auf die Spiegel-Bestsellerliste. Bei Instagram teilt sie unter @kathinka.engel ihre Begeisterung für Bücher.

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